Neues Buchkapitel von GrandEdu zeigt, wie KI und menschliche Begleitung gemeinsam eine neue Qualität der Personalentwicklung ermöglichen
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Künstliche Intelligenz verändert die Personalentwicklung grundlegend. Lernplattformen können Wissensstände analysieren, individuelle Lernwege vorschlagen, Inhalte an persönliche Bedürfnisse anpassen und Lernende genau dort unterstützen, wo Schwierigkeiten entstehen. Doch kann eine Maschine tatsächlich verstehen, was ein Mensch braucht? Kann sie Motivation aufbauen, Unsicherheit erkennen oder die Bedeutung einer beruflichen Erfahrung richtig einordnen?
Mit diesen zentralen Fragen beschäftigt sich das neue Buchkapitel „Human-AI Collaboration in Human Resources Development: Striking a Balance Between AI-Supported Learning Paths and Human Support“. Verfasst wurde der wissenschaftliche Beitrag von Konstantin Bischoff, Enrico Moch und Dr. Tobias Oberdieck. Das Kapitel erscheint im internationalen Sammelband „Human-AI Complementarity in Human Resource Management“, herausgegeben von Prof. Dr. Hans Rüdiger Kaufmann und Prof. Dr. Henning Tirrel bei IGI Global Scientific Publishing.
Für GrandEdu ist die Veröffentlichung ein wichtiger Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte über die Zukunft des Lernens, der Personalentwicklung und der beruflichen Weiterbildung. Im Mittelpunkt steht dabei keine technikgetriebene Vision, in der künstliche Intelligenz Lehrende, Coaches oder Personalentwickler ersetzt. Stattdessen untersuchen die Autoren, wie menschliche und künstliche Intelligenz sinnvoll zusammenwirken können.
Die zentrale Botschaft lautet: Künstliche Intelligenz kann Lernen personalisieren und strukturieren. Verstehen bleibt jedoch eine menschliche Leistung.
Von standardisierten Schulungen zu individuellen Lernwegen
Traditionelle Weiterbildungsangebote folgen häufig einem festen Ablauf. Alle Lernenden erhalten dieselben Inhalte, bearbeiten dieselben Aufgaben und bewegen sich weitgehend im gleichen Tempo durch eine Qualifizierung. Dieses Modell ist organisatorisch einfach, berücksichtigt jedoch nur eingeschränkt, dass Menschen unterschiedliche Vorkenntnisse, berufliche Erfahrungen, Lerngewohnheiten und Unterstützungsbedarfe mitbringen.
KI-gestützte Lernsysteme eröffnen hier neue Möglichkeiten. Sie können beispielsweise erkennen, bei welchen Themen Lernende besonders sicher sind, wo Wissenslücken bestehen und welche Inhalte erneut aufgegriffen werden sollten. Auf dieser Grundlage lassen sich Lernpfade individueller gestalten. Lernende müssen sich nicht länger ausschließlich an einem starren Durchschnitt orientieren, sondern können gezielter an den eigenen Kompetenzen arbeiten.
Gerade in der beruflichen Weiterbildung besitzt diese Entwicklung eine hohe Bedeutung. Teilnehmende bringen häufig sehr unterschiedliche berufliche Biografien mit. Während eine Person bereits über umfangreiche Praxiserfahrung verfügt, benötigt eine andere zunächst eine grundlegende fachliche Orientierung. KI kann dabei helfen, diese Unterschiede frühzeitig sichtbar zu machen und Lernangebote passender zu strukturieren.
Aus Sicht von GrandEdu entsteht dadurch die Chance, Weiterbildung stärker vom einzelnen Menschen aus zu denken. Lernende sollen nicht in ein standardisiertes System eingeordnet werden. Vielmehr soll sich das Lernsystem innerhalb klarer didaktischer und fachlicher Grenzen an den Menschen anpassen.
Warum technologische Leistungsfähigkeit allein nicht genügt
Das Buchkapitel macht zugleich deutlich, dass Personalisierung nicht mit Bildung gleichgesetzt werden darf. Ein Algorithmus kann Lerninhalte sortieren, Aufgaben empfehlen und Rückmeldungen erzeugen. Ob ein Mensch eine komplexe Situation tatsächlich verstanden hat, lässt sich jedoch nicht allein aus Klickzahlen, Bearbeitungszeiten oder richtigen Antworten ableiten.
Verstehen entsteht, wenn Wissen eingeordnet, hinterfragt und auf neue Situationen übertragen wird. Dazu gehören berufliche Erfahrungen, persönliche Überzeugungen, soziale Beziehungen und die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Diese Prozesse besitzen eine menschliche, kulturelle und kommunikative Dimension.
Ein Teilnehmer kann beispielsweise eine Aufgabe fachlich korrekt lösen und dennoch unsicher sein, ob er das zugrunde liegende Prinzip wirklich verstanden hat. Umgekehrt kann eine zunächst fehlerhafte Antwort zeigen, dass sich jemand intensiv mit einem Problem auseinandergesetzt und einen eigenständigen Lösungsweg entwickelt hat. Ein erfahrener Dozent kann solche Unterschiede wahrnehmen, nachfragen und die Lernbegleitung entsprechend anpassen.
Genau an dieser Stelle zeigt sich die Bedeutung menschlicher Unterstützung. Lehrende vermitteln nicht nur Informationen. Sie schaffen Orientierung, geben Sicherheit, erkennen Überforderung und helfen dabei, theoretisches Wissen mit beruflichen Erfahrungen zu verbinden. Sie können motivieren, Widersprüche erklären und Lernenden verdeutlichen, warum bestimmte Inhalte für ihre persönliche und berufliche Entwicklung relevant sind.
KI kann diese Arbeit unterstützen. Sie kann sie jedoch nicht vollständig ersetzen.
Der Mensch wird nicht weniger wichtig, sondern anders wichtig
Die Diskussion über künstliche Intelligenz wird häufig von der Frage bestimmt, welche Tätigkeiten künftig automatisiert werden können. Das Buchkapitel setzt einen anderen Schwerpunkt. Entscheidend ist nicht allein, welche Aufgaben eine Maschine übernehmen kann. Entscheidend ist, wie sich die Aufgaben von Menschen verändern, wenn intelligente Systeme Bestandteil des Lernprozesses werden.
Dozenten, Trainer und Personalentwickler müssen künftig weniger Zeit für bestimmte wiederkehrende Routinetätigkeiten aufwenden. Gleichzeitig steigt die Bedeutung ihrer pädagogischen, kommunikativen und reflektierenden Aufgaben. Sie müssen Ergebnisse KI-gestützter Systeme einordnen, Lernende bei der kritischen Nutzung unterstützen und erkennen, wann automatisierte Empfehlungen nicht zur individuellen Situation passen.
Damit verändert sich auch das professionelle Rollenverständnis. Lehrende werden stärker zu Lernbegleitern, Moderatoren und verantwortlichen Gestaltern hybrider Lernumgebungen. Sie entscheiden, an welchen Stellen KI sinnvoll eingesetzt werden kann und wo ein persönliches Gespräch, eine fachliche Erklärung oder eine menschliche Rückmeldung erforderlich ist.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass die Einführung von KI in der Personalentwicklung nicht auf den Erwerb einer Software reduziert werden darf. Benötigt werden klare Rollen, didaktische Konzepte, qualifizierte Mitarbeiter und verbindliche Verantwortlichkeiten. Ohne diese Voraussetzungen besteht die Gefahr, dass technisch leistungsfähige Systeme eingesetzt werden, ohne einen nachhaltigen Lernfortschritt zu erzeugen.
KI ist immer Teil einer sozialen und kulturellen Lernumgebung
Ein besonderer Schwerpunkt des Kapitels liegt auf der kulturellen Einbettung künstlicher Intelligenz. Technologie wirkt nicht unabhängig von der Organisation, in der sie eingesetzt wird. Ihre Wirkung hängt davon ab, welche Werte, Regeln und Erwartungen den Umgang mit ihr bestimmen.
In einer Lernkultur, die ausschließlich auf Geschwindigkeit, Kennzahlen und Kontrolle ausgerichtet ist, kann KI den Leistungsdruck erhöhen. Lernende könnten das Gefühl entwickeln, permanent beobachtet, bewertet oder mit anderen verglichen zu werden. In einer vertrauensbasierten Lernkultur kann dieselbe Technologie hingegen dazu beitragen, individuelle Unterstützung früher bereitzustellen und Lernbarrieren abzubauen.
Die Autoren verdeutlichen damit, dass technischer Fortschritt gestaltet werden muss. Unternehmen und Bildungseinrichtungen tragen die Verantwortung dafür, wie KI-Systeme eingesetzt, erklärt und kontrolliert werden. Transparenz, Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und menschliche Entscheidungskompetenz sind keine nachträglichen Ergänzungen. Sie gehören von Beginn an zur Gestaltung einer verantwortungsvollen Lernumgebung.
Lernende müssen wissen, welche Daten erhoben werden, wie Empfehlungen entstehen und welche Grenzen das jeweilige System besitzt. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, automatisierte Einschätzungen zu hinterfragen. Eine KI-Empfehlung darf nicht zu einem unumstößlichen Urteil über Fähigkeiten, Lernpotenziale oder berufliche Perspektiven werden.
Ein systemischer Blick auf Mensch, Organisation und Technologie
Das Kapitel greift systemtheoretische Überlegungen auf und betrachtet Personalentwicklung als Zusammenspiel verschiedener Elemente. Lernende, Lehrende, Führungskräfte, Organisationen, Technologien und kulturelle Rahmenbedingungen beeinflussen sich gegenseitig.
Aus dieser Perspektive reicht es nicht, eine KI-Anwendung isoliert zu bewerten. Ein technisch überzeugendes System kann in der Praxis wirkungslos bleiben, wenn Mitarbeiter ihm nicht vertrauen, Lehrende unzureichend vorbereitet sind oder organisatorische Abläufe nicht angepasst werden. Umgekehrt kann bereits eine vergleichsweise einfache Technologie einen hohen Nutzen entfalten, wenn sie in ein durchdachtes didaktisches Gesamtkonzept eingebunden ist.
Die Qualität KI-gestützter Personalentwicklung entsteht somit nicht allein durch die Leistungsfähigkeit eines Algorithmus. Sie entsteht durch die Beziehungen zwischen Technik, Mensch und Organisation.
Dieser Gedanke ist für GrandEdu von besonderer Bedeutung. Digitale Weiterbildung darf nicht als Ansammlung einzelner Werkzeuge verstanden werden. Eine Lernplattform, Videoinhalte, digitale Aufgaben, Live-Unterricht, individuelles Feedback und persönliche Betreuung müssen aufeinander abgestimmt sein. Erst aus ihrem Zusammenspiel entsteht eine Lernumgebung, die fachliche Entwicklung und persönliche Unterstützung miteinander verbindet.
Human-AI Collaboration statt Verdrängungslogik
Der Titel des Sammelbandes bringt den entscheidenden Perspektivwechsel auf den Punkt: Human-AI Complementarity bedeutet, die unterschiedlichen Stärken von Mensch und künstlicher Intelligenz so zu verbinden, dass ein besseres Gesamtergebnis entsteht.
KI verfügt über besondere Stärken bei der Verarbeitung großer Datenmengen, der Erkennung wiederkehrender Muster und der schnellen Bereitstellung strukturierter Informationen. Menschen bringen Kontextverständnis, Erfahrungswissen, Empathie, Kreativität und ethische Urteilskraft ein.
Die Zukunft der Personalentwicklung liegt deshalb weder in einer ausschließlich menschlichen noch in einer vollständig automatisierten Lösung. Sie liegt in einer verantwortungsvoll gestalteten Zusammenarbeit.
KI kann auf Lernschwierigkeiten hinweisen. Der Mensch muss beurteilen, welche Unterstützung angemessen ist.
KI kann Inhalte empfehlen. Der Mensch muss ihre fachliche, pädagogische und persönliche Relevanz einordnen.
KI kann Rückmeldungen vorbereiten. Der Mensch trägt die Verantwortung für deren Wirkung.
KI kann Prozesse effizienter gestalten. Der Mensch entscheidet, welchen Zielen diese Effizienz dienen soll.
Bedeutung für Unternehmen und Personalverantwortliche
Für Personalabteilungen ergeben sich aus dem Kapitel weitreichende Konsequenzen. KI-gestützte Personalentwicklung sollte nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Neben Zeitersparnissen und Skalierbarkeit müssen auch Lernqualität, Akzeptanz, Fairness und langfristige Kompetenzentwicklung berücksichtigt werden.
Unternehmen sollten vor der Einführung entsprechender Systeme unter anderem klären, welche Aufgaben automatisiert werden dürfen, wann menschliche Entscheidungen erforderlich sind und wie Beschäftigte an der Gestaltung beteiligt werden. Ebenso wichtig ist die Qualifizierung der Personalverantwortlichen. Wer KI-gestützte Lernsysteme einsetzt, muss deren Möglichkeiten, Grenzen und Risiken verstehen.
Darüber hinaus sollte der Erfolg nicht ausschließlich anhand kurzfristiger Kennzahlen beurteilt werden. Eine hohe Abschlussquote oder eine kurze Bearbeitungszeit sagt noch wenig darüber aus, ob Wissen nachhaltig verstanden und im beruflichen Alltag angewendet wird. Personalentwicklung muss deshalb qualitative Rückmeldungen, persönliche Reflexion und reale Anwendungssituationen einbeziehen.
Internationaler Sammelband unter der Herausgeberschaft ausgewiesener HR-Experten
Der Sammelband „Human-AI Complementarity in Human Resource Management“ wird von Prof. Dr. Hans Rüdiger Kaufmann und Prof. Dr. Henning Tirrel herausgegeben.
Prof. Dr. Hans Rüdiger Kaufmann verfügt über langjährige internationale Erfahrung in Forschung, Lehre, Management und Beratung. Prof. Dr. Henning Tirrel forscht insbesondere zu strategischem und digitalem Human Resource Management, zur Nutzung künstlicher Intelligenz im Personalwesen, zu digitalem Employer Branding sowie zu neuen Formen der Arbeitsgestaltung.
Der von ihnen herausgegebene Band betrachtet die Zusammenarbeit von Mensch und KI aus unterschiedlichen Perspektiven des modernen Personalmanagements. Thematisiert werden unter anderem Talentbewertung, Leistungsanalysen, Personalplanung, algorithmische Diskriminierung, Mitarbeiterwohlbefinden und der Einsatz intelligenter Systeme bei personalwirtschaftlichen Entscheidungen.
Damit schafft das Werk einen interdisziplinären Rahmen für eine der wichtigsten Fragen der kommenden Jahre: Wie können Organisationen künstliche Intelligenz nutzen, ohne menschliches Urteilsvermögen, Verantwortung und Vertrauen zu schwächen?
Wissenschaft und Bildungspraxis miteinander verbinden
Für GrandEdu ist die Beteiligung an diesem internationalen Sammelband zugleich Ausdruck des eigenen Anspruchs, wissenschaftliche Forschung und praktische Weiterbildung miteinander zu verbinden.
Die digitale Transformation des Bildungsbereichs darf nicht ausschließlich von Technologieanbietern bestimmt werden. Bildungsträger, Lehrende, Lernende und Personalverantwortliche müssen sich aktiv an der Entwicklung neuer Modelle beteiligen. Nur so kann sichergestellt werden, dass technische Innovationen nicht zum Selbstzweck werden, sondern tatsächlichen Lernfortschritt ermöglichen.
Das Buchkapitel liefert hierfür eine klare Orientierung. KI sollte Lernende nicht bevormunden, sondern sie dabei unterstützen, eigene Kompetenzen aufzubauen. Sie sollte Lehrende nicht verdrängen, sondern ihnen bessere Möglichkeiten für individuelle Begleitung eröffnen. Und sie sollte Personalentwicklung nicht auf messbare Datenpunkte reduzieren, sondern dazu beitragen, menschliche Entwicklung differenzierter zu fördern.
Eine Zukunftsfrage, die bereits heute beantwortet werden muss
Die zentrale Herausforderung besteht nicht darin, ob künstliche Intelligenz in der Weiterbildung eingesetzt wird. Diese Entwicklung hat längst begonnen. Entscheidend ist, nach welchen Prinzipien sie eingesetzt wird.
Organisationen können KI nutzen, um Lernprozesse schneller und kostengünstiger abzuwickeln. Sie können sie aber auch nutzen, um Lernen individueller, zugänglicher und wirksamer zu gestalten. Der Unterschied liegt nicht allein in der Technologie. Er liegt in den Zielen, Regeln und menschlichen Entscheidungen, die ihren Einsatz bestimmen.
Mit dem Kapitel „Human-AI Collaboration in Human Resources Development“ leisten Konstantin Bischoff, Enrico Moch und Dr. Tobias Oberdieck einen Beitrag zu einer zukunftsorientierten und zugleich verantwortungsbewussten Personalentwicklung.
Die Veröffentlichung macht deutlich: Die stärkste Bildungsinnovation entsteht nicht, wenn künstliche Intelligenz den Menschen ersetzt. Sie entsteht, wenn Technologie den Menschen dabei unterstützt, besser zu lernen, bewusster zu entscheiden und sein Potenzial nachhaltig zu entwickeln.
Bibliografische Angaben
Kapitel: Human-AI Collaboration in Human Resources Development: Striking a Balance Between AI-Supported Learning Paths and Human Support
Autoren: Konstantin Bischoff, Enrico Moch und Dr. Tobias Oberdieck
Sammelband: Human-AI Complementarity in Human Resource Management
Herausgeber: Prof. Dr. Hans Rüdiger Kaufmann und Prof. Dr. Henning Tirrel
Verlag: IGI Global Scientific Publishing, 2026
Seiten: 189 bis 212
DOI: 10.4018/979-8-3373-6229-8.ch006